Jeder Spieler:innen-Charakter SC in Etherchron besitzt ein Stigma. Etwas aus seiner tiefsten Vergangenheit, das tief im Bewusstsein verankert schlummert und immer wieder ausbricht. Diese Stigmata verleihen den SC in Etherchron nicht nur eine Tiefe, sondern ermöglichen es der SL auch, die SC immer wieder mit ihren tiefsten Ängsten zu konfrontieren und Drama in die Spielsitzung zu bringen.
Bei jedem Archetyp steht, welches Stigmata er haben kann. Wähle aus dieser Auswahl eines aus.
Armut
Du bist nicht einfach nur arm aufgewachsen – du warst unsichtbar. Ein Schatten zwischen Müllcontainern, Heizungsrohren und Neonlichtern. Auf den Straßen hast du gelernt, dass niemand kommt, um dich zu retten. Dass das Leben ein Tauschgeschäft ist, und manche Dinge kann man nur einmal verkaufen – sich selbst zum Beispiel.
Vielleicht warst du noch ein Kind. Vielleicht wusstest du nicht einmal genau, was du getan hast. Aber du hast überlebt. Im Dreck, im kalten Wind, mit leerem Magen und brennenden Schamgefühlen. Du hast Dinge getan, die du vergessen willst. Und schlimmer noch: Du hast Dinge gesehen, die dich nie vergessen haben. Viele deiner Freunde haben es nicht geschafft. Sie liegen irgendwo in einem nassen Hinterhof, in einer Gasse, in sich verdreht, mit aufgerissenen Augen – oder sie leben noch, aber zerbrochen. Und du? Du bist hier. Irgendwie. Doch der Preis hängt noch immer an dir wie ein Geruch, der nie ganz verschwindet.
Auswirkungen
Dein Stigma äußert sich in tief verwurzeltem Misstrauen gegenüber Wohlstand, Autorität und Hilfe. Du hasst es, abhängig zu sein – selbst dann, wenn du Hilfe brauchst. Du neigst dazu, Ressourcen zu horten, alles zu sichern, was du bekommen kannst – Essen, Geld, Informationen. Du kannst Besitz nur schwer loslassen und reagierst stark auf den Gedanken, wieder in Armut zu fallen.
Dein Verhältnis zu Körper, Nähe und Intimität ist gestört: Du kannst dich Menschen schwer öffnen, fürchtest Berührung, oder gehst übertrieben beiläufig mit deinem Körper um – als sei er immer noch Ware. In bestimmten Situationen können dich Erinnerungen plötzlich überfluten – ausgelöst durch Gerüche, Geräusche, Kleidung oder Tonlagen – und dich in Schockstarre oder Panik versetzen. Du hast gelernt, zu überleben, egal wie. Aber das bedeutet auch: Du glaubst tief in dir, nichts anderes verdient zu haben. Und manchmal, wenn es dir zu gut geht… sabotierst du dich selbst. Nur damit die Welt wieder Sinn ergibt.
Flucht
Du hast nie gelernt zu bleiben. Noch bevor du Wurzeln schlagen konntest, wurden sie herausgerissen. Neue Schulen, neue Gesichter, neue Straßennamen – aber immer derselbe Koffer, dieselbe Angst in den Augen deiner Eltern. Sie sagten nie, wovor sie wegliefen, aber du spürtest es: Es war groß. Dunkel. Überall. Und irgendwie war es ihnen immer dicht auf den Fersen.
Heute bist du allein, aber du läufst immer noch. Du packst leicht, schläfst schlecht, sprichst selten über dich selbst. Du bleibst nicht länger als nötig und planst selbst bei harmlosen Gesprächen gedanklich die Fluchtroute. Du traust niemandem. Denn Vertrauen bedeutet Nähe, und Nähe ist ein Risiko. Und doch fragst du dich manchmal: Was wäre, wenn du stehenbleibst? Was, wenn niemand dich verfolgt – außer deiner eigenen Vergangenheit?
Auswirkungen
Dein Stigma zwingt dich in einen permanenten Alarmzustand. Du bleibst nie lange an einem Ort – weder physisch noch emotional. Freundschaften zerfallen, bevor sie sich vertiefen. Du lehnst Gemeinschaftsangebote ab und entziehst dich, wenn du gebraucht wirst. Du schläfst schlecht und mit einem offenen Auge. Jede unerwartete Bewegung, jedes Geräusch, jede Veränderung im gewohnten Ablauf kann Panik oder Fluchtverhalten auslösen.
Dein übersteigerter Fluchtinstinkt führt oft zu irrationalem Verhalten: Du verlässt einen sicheren Ort mitten in der Nacht, meidest soziale Treffpunkte, führst keine festen Routinen. In Stresssituationen tendierst du dazu, dich aus der Verantwortung zu ziehen oder Verbündete im Stich zu lassen – nicht aus Böswilligkeit, sondern aus einem reflexhaften Überlebenswillen.
In ruhigen Momenten erlebst du Dissoziation, Erinnerungsfetzen oder emotionale Leere. Du suchst nach Mustern, Zeichen der Verfolgung, oft auch dort, wo keine sind. Und manchmal, wenn du allein in der Dunkelheit lauschst… glaubst du, Schritte zu hören.
Überfall
Du hast überlebt. Das allein ist schon Grund genug, dich zu verfluchen. Der Überfall – auf dein Zuhause, auf den Urlaubsort, vielleicht mitten im Alltag – hat alles zerstört. Deine Familie, deine Kinder, dein Fundament. Was genau geschah, ist in deinem Kopf ein verzerrtes Echo aus Schreien, Blut und einem flüchtigen Blick auf maskierte Gesichter. Die Täter entkamen. Seither lebst du nicht mehr – du jagst. Getrieben von Rache, gezeichnet vom Verlust, bereit, alles zu tun, um Gerechtigkeit zu erzwingen. Oder das, was du dafür hältst.
Aber je weiter du gehst, desto verschwommener wird die Grenze. Die Spur führt durch Lügen, Schweigen, Unschuld. Manchmal musst du Druck ausüben. Drohen. Verletzen. Und jedes Mal denkst du, es sei notwendig. Doch tief in dir regt sich ein Zweifel: Was, wenn es längst keine Gerechtigkeit mehr ist, was du suchst? Was, wenn du längst selbst der Schatten bist, vor dem du einst geflohen bist?
Auswirkungen
Dein Stigma äußert sich in einem unstillbaren Verlangen nach Kontrolle und Aufklärung. Du fühlst dich oft von deiner Umgebung entfremdet, da du stets auf der Jagd bist – nach Antworten, Schuldigen, Erlösung. Moralische Grauzonen sind für dich Alltag. Wenn du glaubst, dass jemand Informationen über den Überfall haben könnte, neigst du zu rücksichtslosen Handlungen – auch gegen Unschuldige.
Du bist anfällig für Gewalt, Manipulation und paranoides Misstrauen. In Momenten der Ruhe kehrt oft der Zweifel zurück, begleitet von Schuldgefühlen, Albträumen oder Flashbacks. Du hast Angst davor, dass du bereits zu weit gegangen bist – und dass du irgendwann nicht mehr zurückfindest. Manchmal handelst du impulsiv oder destruktiv, wenn dich etwas an die Tat erinnert. Je tiefer du in deiner Suche versinkst, desto mehr riskierst du, dich selbst zu verlieren.
Verflucht
Du erinnerst dich nur an Fragmente: Kalter Steinboden, flackerndes Licht, fremde Stimmen, die alte Namen flüstern. Irgendetwas ist mit dir geschehen – in deiner Kindheit oder Jugend. Vielleicht war es ein Ritual, vielleicht ein Versuch, etwas zu binden, zu öffnen oder zu inkarnieren. Vielleicht wurdest du nur benutzt. Vielleicht warst du der Mittelpunkt.
Heute weißt du nur: Sie haben dich nicht vergessen. Die, die in dunklen Gewändern beten, mit zitternden Lippen und leeren Augen. Sie folgen dir. Nicht aggressiv. Nicht laut. Aber stetig. Sie sehen in dir etwas – ein Zeichen, ein Gefäß, eine Prophezeiung. Sie nennen dich „das Tor“. Oder „den Anbruch“. Sie warten. Auf was, das sagen sie nicht. Vielleicht auf den Untergang.
Und dann sind da die anderen Dinge. Die Schatten, die sich bewegen, wenn du wegschaust. Die Tiere, die dich stumm anstarren. Die Uhren, die für Sekunden rückwärts ticken. Der Schmerz in deinem Körper, immer an derselben Stelle, wenn der Mond sinkt. All das – und doch die Frage: Ist es real? Oder bist du einfach nur wahnsinnig geworden?
Auswirkungen
Dein Stigma äußert sich in einer ständigen, ungreifbaren Bedrohung – durch äußere und innere Kräfte. Du wirst immer wieder mit seltsamen Zufällen, okkulten Symbolen und unheimlichen Begebenheiten konfrontiert. Tiere verhalten sich ungewöhnlich, elektronische Geräte spielen verrückt, Fremde sprechen dich an, als würden sie dich kennen.
Die Präsenz der Sekte/Kults ist eine konstante Belastung: Sie beobachten dich aus der Ferne, hinterlassen Zeichen, Opfergaben oder codierte Nachrichten. Sie greifen dich nicht an – aber ihre bloße Nähe macht dich nervös, paranoid, misstrauisch. Du traust deinem eigenen Verstand nicht mehr, besonders wenn sich Realität zu verformen scheint. Du hast Albträume, in denen du in Sprachen sprichst, die du nie gelernt hast – und manchmal murmelst du im Schlaf Dinge, die andere beunruhigen. Mechanisch kann das bedeuten, dass du unter Schlaflosigkeit, Panikattacken oder dissoziativen Zuständen leidest. Du kannst in Schlüsselmomenten von Visionen heimgesucht werden – hilfreich oder lähmend. Und wenn du lange an einem Ort bleibst, beginnen sich die Schatten dort zu sammeln… ganz gleich, ob du willst oder nicht.